Unter Gewinde versteht man "eine um einen Zylinder gleichförmig gewundene
schiefe Ebene". Dieses Prinzip ermöglicht sowohl ein Auf-/ Einschrauben
als auch ein Ab-/Ausschrauben - und bildet damit das Grundprinzip für "wieder
lösbare" Verbindungen, die sog. "Schrauben und Muttern".
Durch die geometrisch herleitbare Form sowie ein konsequentes Maß- und
Toleranzenssystem ergibt sich die Möglichkeit, gleichartige Gewinde untereinander
auszutauschen. So kann bspw. ohne weitere Änderungen statt einer Sechskantschraube
M8 eine Innensechskantschraube M 8 eingedreht werden.
Gewinde-Profil und Gewinde-Messpunkte
Das Grundprofil und die 5 Messpunkte des Gewindes sind in folgender Abbildung
dargestellt.
Die Maßprüfung wird beim Außengewinde (Schraube) durch Lehrringe,
Flankenmikrometer* oder optisches Messgerät* und beim Innengewinde (Mutter)
durch Lehrdorne durchgeführt. (* = Schiedsmessung)
Folgende Aufstellung zeigt eine Übersicht der gängigen Gewindearten
für Schrauben und Muttern. Als Basis für eine weltweit einheitliche
Normung (ISO) für 'Mechanische Verbindungselemente' gilt seit 1963 das
metrische ISO-Gewinde "M".
Kenn- buchstabe
Benennung
Ausführung Anwendung
Beispiel
für Bezeichnung
Flanken
M
Metrisches
ISO-Gewinde
Regelgewinde
rechtsgängig
M
20 x 80
60°
M-LH
Regelgewinde
linksgängig
M
20 x 80 LH
M
Feingewinde
rechtsgängig
M
20 x 2 x 80
M-LH
Feingewinde
linksgängig
M
20 x 2 x 80 LH
M-SN
4
Metrisches
ISO-Gewinde
Festsitzgewinde,
dichtend
M
20 Sn 4 x 80
M-Sk
6
mit
Übergangstoleranzfeld
Festsitzgewinde,
nicht dichtend
M
20 Sk 6 x 80
MFS
MFS
20 x 80
EG-M
Metrisches
ISO-Gewinde: Auf-
nahme-Gew.
f. Gewindeeinsätze
aus
Draht
=
äußere Gewindemaße
für
Gewindeeinsätze
mit
Regel- und Feingewinde
EG
M 20 /
EG
M 20 x 2
M-keg.
Metrisches
kegeliges Außengewinde
für
Verschlussschrauben
und
Schmiernippel
M
20 x 1.5 keg.
G
Zylindrisches
Ww-Rohrgewinde
für
Rohre / Rohrverbindungen
G
3/4"
55°
R
Kegeliges
Ww-Rohrgewinde
für
Außengewinde Rohre
R
3/4"
Rp
Zylindrisches
Ww-Rohrgewinde
im Gewinde dichtend
für
Innengewinde Rohre und Rohrverschraubungen
Rp
3/4"
Tr
Merisches
ISO-Trapezgewinde
(ein-
und mehrgängig)
- für
allgemeine Anwendung
- Präzisions-Bewegungsgewinde
Tr
20 x 4
nach
Angabe
30°
Rd
Zylindrisches
Rundgewinde
(ein-
und mehrgängig)
für
z.B. Spülrohrverschraubungen
Rd
20 x 1/8
ST
Blechschraubengewinde
ST
4,2
60°
-
Holzschraubengewinde
-
UNC
USA:
zölliges Grob-Gewinde
- Regelgewinde
3/4-10
UNC
55°
UNF
USA:
zölliges FEIN-Gewinde
- Feingewinde
3/4-16
UNF
BSW
England:
zölliges Grob-Gewinde
- Regelgewinde
3/4-10
BSW
BSF
England:
zölliges FEIN-Gewinde
- Feingewinde
3/4-12
BSF
Für die Verschraubungsfähigkeit von Außen- und Innengewinde
(z. B. Schraube mit Mutter) gehen die Normen grundsätzlich davon aus, dass
nur mit entsprechendem Montagewerkzeug die Funktion erfüllt werden kann.
Wird beispielsweise eine Handmontage durchgeführt, muss für erhöhte
Leichtgängigkeit des Gewindes (Schmieren) gesorgt werden.
Die wichtigsten Parameter für die Schraubbarkeit:
Toleranz-Lage (= Abstand des oberen Abmaßes des Außengewindes
zum unteren Abmaß des Innengewindes)
Toleranz-Feld ("Toleranz-Qualität") = Abstand untere zu
oberer Abmaßgrenze (Feldgröße)
Einschraublänge
Geringfügige Form- und Lageabweichungen, die sich längenabhängig
als eine Art "Steigungsverzug" bemerkbar machen, sind in der heutigen
Massenproduktion fertigungsbedingt und unvermeidbar.
7.3 Oberflächenfehler und Beschädigungen(nach oben)
Beschädigungen
am Gewinde können sowohl bei der Herstellung (z.B. kleine Überwälzungen
oder Profilabweichungen, Vergütung, Beschichtung in der Trommel) als
auch im weiteren Verlauf (Abpacken, Lagerhaltung, Transport) auftreten.
Kleinere
Beschädigungen wie Kerben, Schlagstellen oder Dellen, welche die
Gängigkeit in Gewindelehren oder im Gegengewinde erschweren, sind
technisch unvermeidlich und stellen keinen Sachmangel dar.
Diese
fertigungsbedingten Oberflächenfehler/Beschädigungen sind bis
zu bestimmten Grenzen zulässig nach ISO 6157-1 Abs. 3.6 (DIN 267-19)
für Schrauben, bzw. nach ISO 6157-2 (DIN 267-20) für Muttern.
Wenn für einzelne bestimmte Einsatzfälle besonders leichtgängige
Gewinde erforderlich sein sollten, sind hierfür entweder größere
Toleranzqualitäten oder ein nachträgliches "Glättwalzen"
mit Gewindeschutz erwogen werden.
7.4 Gewindesteigungen und Kernlochgrößen(nach oben)
Das Gewindeprofil wird von formgenauen Werkzeugschneidern aus dem Werkstoff
herausgeschnitten (manuell per Schneideisen oder maschinell durch Gewindeschneidautomaten).
Der anfallende Verschnitt fällt in Form von Spänen ab, daher der Name.
Ziel sind möglichst kurze und leicht brechende Späne.
Dies erreicht man durch den Einsatz von Automatenstählen, welche durch
höheren Phosphor und Schwefelgehalt eine höhere Sprödigkeit bewirkt.
Aufgrund dieser Sprödigkeit ist Automatenstahl jedoch nur für Schrauben
der Festigkeitsklasse 6.8 (Ausnahme 5.6) zugelassen. Bei Muttern für die
Klassen 5.6, 04, 11H, 14H und 17 H.
b) spanlose Aufbringung
Die spanlose Aufbringung wird immer bedeutender, weil diese einige Vorteile
mit sich bringt:
Vorteile spanender Aufbringung:
Der Bolzen hat anfänglich den Gewindeflankendurchmesser. Das Werkzeug
drückt das Gewindeprofil in das Material ein und "verdrängt"
den Stahl vom Gewindegrund zu den Gewindespitzen. Der Bolzen befindet sich währenddessen
zwischen zwei profilierten Gewinderollen (vgl. Kapitel 7.5.2 ff.: Gewinde walzen,
rollen).
Fertigungsarten bei der spanlosen Formgebung
b1) Warmumformung
Die Bedeutung der Warmumformung ist in letzter Zeit bei Verbindungselementen
zurückgegangen, weil sie mit der Kaltumformung nicht mithalten konnte,
die durch ständige Weiterentwicklung immer mehr komplizierte Materialumformungen
zu Stande bringt. Dennoch wird die Warmumformung noch angewandt, wenn
der Werkstoff einen hohen Verformungswiderstand hat und somit zu großen
Umformkräften führt,
das Stauchverhältnis sehr groß ist
große Durchmesser und Längen vorliegen (z.B. > M36)
kleine Stückzahlen hergestellt werden müssen. Warmumformung hat
geringere Werkzeugkosten und Rüstzeiten als die Kaltumformung.
b2) Kaltumformung
Die Kaltumformung ist heute das gängige Produktionsverfahren bei Verbindungselementen.
Sie wird bevorzugt, bei
Massenproduktion, Großserien
kleinen bis mittleren Stauchverhältnissen
Kleinstschrauben und "üblichen" Abmessungen bis ca. M30 (bei
Festigkeitsklasse 8.8 und 10.9)
Noch ein Tipp: Blech-Bohrschrauben gibt es in drei Varianten:
selbstbohrend (bohren nur ein Loch)
selbstschneidend (schneiden ein Loch vor)
gewindefurchend (hinterlassen nach dem Ausdrehen ein metrisches Gewinde),
z.B. für Kunststoffe
Bei der Gewindeherstellung unterscheidet man klassisch vier Arten, die je nach
Größe des Gewindes oder Härte der zu produzierenden Werkteile
abwechselnd verwendet werden:
Beim Walzen wird das Rohmaterial zwischen zwei mit Rillen versehenen Metallblöcken
gepresst. Durch die Bewegung des Rohmaterials ergibt sich der klassische Gewindecharakter.
Das gebräuchlichste Verfahren ist das Gewindewalzen mit Flachwalzbacken.
Es wird eine feststehende und eine bewegliche Walzbacke eingesetzt. Das Gewinde
wird während der Vorwärtsbewegung der beweglichen Walzbacke auf den
Bolzen aufgebracht.
Prinzip einer Gewindewalzmaschine:
Die beiden Rollen laufen in gleicher Richtung.
Das Gewinde wird durch Druck der seitlichen Rollenauf das Werkstück eingedrückt.
b) 3-Rollen-Verfahren
Auch Rollkopfverfahren genannt. Hier werden die
drei Rollen in einem "Rollkopf" geführt. Anwendung findet
dieses Verfahren im CNC-Bereich. Das Werkstück
erhält das Gewinde durch den Druck von drei Rollen.
c) Segment-Verfahren
Dieses Verfahren rollt je Umdrehung der großen
Rolle so viele Gewinde auf, wie Segmente
vorhanden sind. Der Innenumfang des Segments muss dem Umfang des Bolzens
entsprechen. Anwendung findet dieses Verfahren bei hohen Anforderungen an
die Genauigkeit des Gewindes. Das Werkstück
erhält sein Gewinde durch Druck zwischen Segmente
und Rolle.
Beide Verfahren finden bei geringer Stückzahl Anwendung. Ebenso, wenn
aufgrund zu langer Werkstücke oder zu großen Durchmessern ein Rollen
bzw. Walzen nicht möglich ist. Die Bearbeitung erfolgt meist mit
Bearbeitungsstählen
Backenwerkzeugen
Werkstücke mit Innengewinde (z.B. Muttern) werden normalerweise im Durchlaufverfahren
auf Bohrautomaten mit Gewinde versehen.
Blechschrauben sichern durch ihr Blechgewinde selbst ihren Halt in der Bohröffnung.
Um optimalen Halt für das Blechgewinde zu gewährleisten, sollten Sie
folgende Richtwerte beim Vorbohren in Blechen und Metallen beachten. Bitte haben
Sie Verständnis dafür, dass es sich hierbei um Richtwerte handelt,
welche in der Praxis möglicherweise abweichen können. (Blechschraubengewinde
nach DIN 7970)