5. Werkstoffe - Oberflächenbehandlung
5.1 Überblick
Die Methoden der Oberflächenbehandlung beziehen sich auf "blanke"
Schrauben, welche aufgrund der Wasserstoffversprödung (Korrosion) zum "Rosten"
neigen. Oberflächenveredelung bezweckt, die Schrauben mit einer Schutzschicht
zu versehen, welche je nach Art der Oberfläche besseren oder schlechteren
Schutz bietet. Oberflächenbehandlungen können die Korrosion nur verlangsamen.
Zur Verhinderung von Korrosion sollten Schrauben aus rostfreien Stählen
(z.B. A2) verwendet werden, sofern die geringere Festigkeit keine Rolle spielt.

Abbildung 6 - Oberflächenveredelungen
5.1.1 metallische Überzüge (nach oben)
Bei metallischen Überzügen herrschen meist in galvanischen Verfahren
aufgebrachte Zink- oder Zinklegierungsschichten vor. Der Korrosionsschutz metallischer
Überzüge gegenüber anorganischen Überzügen ist deutlich
geringer. Durch die Versiegelung mit organischen Beschichtungen kann der Effekt
jedoch verstärkt werden.
Bei galvanisch aufgebrachten Beschichtungen besteht die Gefahr der Wasserstoffversprödung
aufgrund der Wasserstoffaufnahme bei der Vorbehandlung (z.B. Beizen) und des
Verzinkungsprozesses. Um dieser Gefahr entgegenzuwirken, sollen derartige Produkte
einer zusätzlichen Wärmebehandlung unterzogen werden. Nähere
Angaben hierzu finden Sie in DIN EN ISO 4042 "Galvanische Überzüge
für Verbindungselemente". Der durch Wasserstoff verursachte Sprödbruch
ist ein spontaner, immer zeitverzögert auftretender sowie verformungsloser
Bruch.
Man unterteilt zwei Brucharten:
- fertigungsbedingter Sprödbruch
entsteht aufgrund der galvanischen Oberflächenbehandlung bzw. Vorbehandlung
- anwendungsbedingter Sprödbruch
entsteht durch Korrosion, d.h. der Wasserstoff bildete sich aus Chloriden
eines vergangenen Korrosionsangriffs
Wie lässt sich Wasserstoffversprödung bei hochfesten und gehärteten
Schrauben reduzieren?
- Vermeidung und Verringerung von Wasserstoffquellen (z.B. Wasserdämpfe
vermeiden)
- Einsatz von Schrauben aus nichtrostenden Stählen (z.B. A2)
- Vermeidung von Spannungskonzentrationen
- Nicht Beizen
- industrielle Nachverarbeitung
- Nachträgliche Wärmebehandlung (Tempern)
- Einsatz organischer und/oder anorganischer Beschichtung
- Galvanische Nachbehandlung hochfester oder gehärteter Teile vermeiden
5.1.2 anorganische Überzüge (nach oben)
Die geläufigsten Handelsmarken bei anorganischen Überzügen sind
"Dacromet", "Delta Tone" sowie "Termosil".
Diese Beschichtungsarten bestehen aus einer Mischung von Zink- und Aluminiumlamellen,
die unter hoher Temperatur eingebrannt werden. Diese Verfahren haben wegen der
hohen Korrosionsbeständigkeit eine steigende Bedeutung.
Anorganische Überzüge vermeiden Wasserstoffversprödung, da kein
Beizprozess durchgeführt wird. Details
zu diesen Beschichtungsarten finden Sie in DIN EN ISO 10683 unter dem Begriff
"Nichtelektrolytisch aufgebrachte Zinklamellenüberzüge".
Diese sind auszugsweise:
- Eindiffusion von Nichtmetallen
- Effusion von Nichtmetallen
- Eindiffusion von Metallen
- Eindiffusion von Metallen und Nichtmetallen
- Effusion von Metallen und Nichtmetallen
5.1.3 organische Überzüge (nach oben)
Diese Form des Überzugs ermöglicht eine nur teilweise Beschichtung
mit fast unendlicher Farbauswahl. Die Basis bilden dabei Naturprodukte. Diese
Überzüge haben teilweise eine hohe permanente Temperaturbeständigkeit
und sind elektrisch nicht leitend. Die Gefahr der Wasserstoffversprödung
besteht nicht, solange die Materialien nicht mit Beize behandelt werden.
Wird die Beschichtung entfernt, besteht kein kathodischer Korrosionsschutz
mehr. Die Korrosionsbeständigkeit ist im Anlieferungszustand relativ
hoch.
5.2 galvanische Verzinkung (nach oben)
5.2.1 Allgemeines, Schichtdicken (nach oben)
Beispiel für Kurzbezeichnung der gewünschten galvanischen Oberflächenbehandlung.
~ Nicht zu verwechseln mit der Bezeichnung von Edelstählen (z.B. A2-70)
~
Kurzzeichen für galvanische Oberflächen:. A2F
| A |
1) Kennbuchstabe für Überzugsmaterial
A = Zink (Zn) |
| 2 |
2) Kennzahl für Schichtdicke in µm
2 = 5 µm
|
| F |
3) Kennbuchstabe für den Glanzgrad und
die Nachbehandlung (Chromatierung)
F = blank, Farbe bläulich
|
|
1)
Überzugsmaterial
|
|
A
|
=
|
Zn
|
=
Zink
|
|
B
|
=
|
Cd
|
=
Cadmium
|
|
C
|
=
|
Cu
|
=
Kupfer
|
|
D
|
=
|
CuZn
|
=
Messing
|
|
E
|
=
|
Ni
|
=
Nickel
|
|
F
|
=
|
NiCr
|
=
Nickel-Chrom
|
|
G
|
=
|
CuNi
|
=
Kupfer-Nickel
|
|
H
|
=
|
CuNiCr
|
=
Kupfer-Nickel-Chr.
|
|
J
|
=
|
Sn
|
=
Zinn
|
|
|
2)
Schichtdicke (galv. Zn)
|
|
1
|
=
|
3
µm
|
|
|
2
|
=
|
5
µm
|
(2
+ 3) handelsüblich
|
|
3
|
=
|
8
µm
|
(3
+ 5)
|
|
4
|
=
|
12
µm
|
(4
+ 8)
|
|
5
|
=
|
15
µm
|
(5
+ 10)
|
|
6
|
=
|
20
µm
|
(8
+ 12)
|
|
tzn
|
40
µm
|
Feuerverzinkt
|
|
|
3)
Aussehen bei Passivierung / Chromatierung
|
|
|
Glanzgrad
|
Verfahrens-gruppe
|
Farbe
|
|
A
=
B
=
C
=
D
=
|
mt
(matt)
|
A
B
C*
D*
|
farblos
bläulich
gelblich*
oliv*
|
|
E
=
F
=
G
=
H
=
|
bk
(blank)
|
A
B
C*
D*
|
farblos
bläulich
gelblich*
oliv*
|
|
J
=
K
=
L
=
M
=
|
gl
(glänzend)
|
A
B
C*
D*
|
farblos
bläulich
gelblich*
oliv*
|
|
P/U
=
|
beliebig
|
wie
B, C
oder D
|
ohne
Chromatg.
|
|
R
=
S
=
T
=
|
mt
(matt)
bk
(blank)
gl (glänz.)
|
F/Bk
F/Bk
F/Bk
|
schwarz*
|
|
* ACHTUNG! Chrom-VI-haltig. (Kap. 9.4)
|
|
|
Für Prüfungen gilt die Schichtdicke an der Messstelle

Die Gewindetoleranzen gelten vor dem Aufbringen der galvanischen Überzüge
- mit Überzug darf die Nulllinie beim Bolzengewinde nicht überschritten
bzw. beim Mutterngewinde nicht unterschritten werden. Das Bolzengewinde mit
Überzug kann also zwischen dem oberen Abmaß des Toleranzfeldes und
der Nulllinie liegen. Im Interesse der Schraubbarkeit ist die Schichtdicke für
Gewindeteile mit dem üblichen Toleranzspiel 6 g/6 H logischerweise begrenzt.
Bei Prüfung auf Schraubbarkeit ist ISO 6157-1 (DIN 267-1 9, Abs. 2.7) zu
beachten.
|
Bei hochfesten Teilen
mit Zugfestigkeiten ab ca. 1000 N/mm2 (z. B. 10.9 ... 12.9) und gehärteten
Teilen mit Härten ab ca. 320 HV ist bei galvanischen Überzügen
mit den bekannten Verfahren die Gefahr einer Wasserstoffversprödung
nicht mit Sicherheit auszuschließen (ISO 4042 Abs. 6 / Anhang A
/ ISO 15330).
|
5.2.2 Schichtdicken (nach oben)
|
Gewindesteigung
P
|
0,2-0,4
|
0,45-1
|
1,25
|
1,5-2
|
2,5
|
3
|
3,5
|
4-5
|
5,5
|
6
|
|
Regelgewinde
M
|
M1
-
M2
|
M2,5
- M7
|
M8
|
M10
- M16
|
M18
- M22
|
M24
- M27
|
M30
- M33
|
M36
- M52
|
M56
- M60
|
M64
|
|
Schichtdicke
max./µm
|
(a)
|
3
|
5
|
5
|
8
|
10
|
12
|
12
|
15
|
15
|
20
|
|
(b)
|
3/3
|
3/3
|
5/3
|
5/5
|
8/5
|
8/8
|
10/8
|
12/10
|
15/12
|
15/12
|
|
(c)
|
-
|
3/(3)
|
5/3
|
5/3
|
(8)/5
|
8/5
|
8/8
|
10/8
|
12/10
|
12/10
|
|
(a)
rechnerischer Grenzwert nach ISO 4042, Tab. 2, für kleine Längen
bis 5d
(b) für Längen 5d-10d / 10d-15d
(c) empfohlene Grenzwerte
aus der Praxis für Längen bis 5d / 5d-15d unter Berücksichtigung
fertigungs- und verfahrensbedingter Beschädigungen nach ISO 61 57-2
/ EN 493 (DIN 267-19, Abs. 2.7)
|
Tabelle 39: Maximale Schichtdicken für Schrauben mit Außengewinde
|
Beanspruchung
|
Zink-Schichtdicke
in µm
|
Bezeichnungen
z.B.
|
|
0
|
„sehr
mild“
(Dekorative
Anwendung ohne Beanspruchung)
|
3
- 5
|
(a)
|
„verzinkt“
A 1 A / B /
F
A 2 A / B / F
Fe / Zn 3 /
5
|
|
1
|
„mild“
(Innenraum
in warmer, trockener Atmosphäre)
|
5
- 8
|
(a)
|
„verzinkt“
A 2 C / D
A 3 A / B / F
Fe / Zn 5 /
8
|
|
2
|
„mäßig“
(Innenraum,
in dem Kondensation auftreten darf)
|
8
- 12
|
(b)
|
A 3 C / D
Fe / Zn 12 A / F
Fe / Zn 8 /
12
|
|
3
|
„stark“ (Freibewitterung
unter
gemäßigten
Bedingungen)
|
12
- 25
|
(b)
|
A 4 C / D
A 5-6 / B-G
A 7 A / F
Fe / Zn 12-25
|
|
4
|
„sehr
stark“
(Freibewitterung
unter schweren korrosiven Bedingungen - z. B.
See-/Industrieklima)
|
25
|
(c)
|
A 7 C / D
Fe / Zn 25 c
2 C / D
|
|
(a) Entspricht allgemein üblicher
lagerhaltiger Handelsware
(b) Maximale Schichtdicken nach Tabelle „Schichtdicken bei Gewinde“
beachten
(b), (c) Gewinde Ab-/Aufmaß erforderlich, eventuell Feuerverzinkung
wählen
Auszug
aus EN 1403, 12329 - Die Schutzwirkung des Überzugs
kann in der Realität von diesen Werten abweichen!
|
Tabelle 40: Beanspruchung und passende Zink-Schichtdicken
5.2.3 Kontaktkorrosion (nach oben)

Tabelle 41: Kontaktkorrosion bei galv. Verzinkung
*) Verhältnis der Oberfläche des "betrachteten" Werkstoffs
zur Oberfläche des "Paarungswerkstoffs" (Quelle: Beratungsstelle
"FEUERVERZINKEN")
5.2.4 Jährliche Abtragswerte (nach oben)
|
Beanspruchung
|
µm/Ø
|
|
Innenräume
|
1,0
-
|
2,0
|
|
Landluft*
|
1,3
-
|
2,5
|
|
Stadtluft*
|
1,9
-
|
5,6
|
|
Industrieluft*
|
6,4
-
|
19
|
|
Meeresluft*
|
2,2
-
|
7,2
|
|
* In der
Praxis ist mit Mischklima zu rechnen
|
Tabelle 42: Jährlich abgetragene Schichtdicke bei Zink, ebene Flächenkorrosion
5.3 Feuerverzinkung (nach oben)
Lesen Sie ergänzend auch "Oberflächenbehandlung - galvanische
Verzinkung"
Die nach der Norm geforderte Mindestschichtdicke an der Messstelle von 40 mm
erfordert ein Untermaß im Gewinde; Dieses Untermaß befindet in der
Regel im Bolzengewinde - das Bolzengewinde mit Feuerverzinkung darf die Nullinie
nicht überschreiten. Ein Nachschneiden des Bolzengewindes ist nicht zulässig.
Bei HV-Verbindungen DIN 6914/6915 wird ein Aufmaß in die Mutter gelegt
(= Z/X/AZ/AX) - das Bolzengewinde mit Feuerverzinkung liegt daher über
der Nullinie. Mutterngewinde werden nachträglich in feuerverzinkte Rohlinge
eingeschnitten.
|
Der Korrosionsschutz erfolgt durch die Zinkauflage des Bolzengewindes
(kathodischer Fernschutz). Bei feuerverzinkten Schrauben ist mit einer
verminderten Belastbarkeit (wegen der verminderten Flankenüberdeckung
im Gewinde) gegenüber Schrauben ohne Feuerverzinkung zu rechnen -
entsprechend reduzierte Prüf-/Bruchkräfte siehe ISO 10684 (DIN
267-10).
Bei der Montage feuerverzinkter Schrauben und Muttern - insbesondere
bei zusätzlicher Schmierung des Gewindes - ist mit veränderten
Reibewerten und Anziehmomenten zu rechnen. Für feuerverzinkte HV-Verbindungen
ist DIN 18800-7/EN V 1090-1 zu beachten!
|
|
Schichtdicke
(galv. Zn)
|
|
1
|
=
|
3
µm
|
|
|
2
|
=
|
5
µm
|
(2
+ 3) handelsüblich
|
|
3
|
=
|
8
µm
|
(3
+ 5)
|
|
4
|
=
|
12
µm
|
(4
+ 8)
|
|
5
|
=
|
15
µm
|
(5
+ 10)
|
|
6
|
=
|
20
µm
|
(8
+ 12)
|
|
tzn
|
40
µm
|
Feuerverzinkt
|
|
Kontaktkorrosion bei zinkhaltigen Werkstoffen (gelb)

Jährliche Abtragswerte bei Zink, ebene Flächenkorrosion
|
Beanspruchung
|
µm/Ø
|
|
Innenräume
|
1,0
-
|
2,0
|
|
Landluft*
|
1,3
-
|
2,5
|
|
Stadtluft*
|
1,9
-
|
5,6
|
|
Industrieluft*
|
6,4
-
|
19
|
|
Meeresluft*
|
2,2
-
|
7,2
|
|
* In der
Praxis ist mit Mischklima zu rechnen
|