Der Begriff "Edelstahl Rostfrei" ist ein Oberbegriff für ca.
120 verschiedene Sorten von nicht-rostenden Stählen.
Über Jahrzehnte wurde eine Vielzahl von verschiedenen Legierungen entwickelt,
welche für die verschiedene Anwendungen die jeweils besten Eigenschaften
liefern. Diese Legierungen haben alle ein gemeinsames Merkmal: Sie benötigen
durch das in der Legierung enthaltene Chrom keinen zusätzlichen Oberflächenschutz.
Dieser Chromanteil bildet auf der Oberfläche eine farblose, transparente
Oxydschicht, welche sich nach Beschädigung der Oberfläche mit Hilfe
des in der Luft oder Wasser enthaltenen Sauerstoff selbsttätig schließt.
Nichtrostende Stähle sind in der DIN 17440 und der DIN EN ISO 3506 zusammengefasst.
Grundsätzlich werden Edelstahllegierungen nach ihrem kristallinen Gefüge
in 4 verschiedene Hauptgruppen eingeteilt:
Nichtrostende Stähle mit niedrigem Kohlenstoffgehalt (von höchstens
0,03 %) dürfen
zusätzlich mit dem Buchstabel "L" gekennzeichnet werden (Beispiel:
A4L - 80).
Abbildung 5 - aust. Edelstähle
Martensitische Edelstähle
Sind Stähle mit 10,5 - 13,0% Chromanteil und einem Kohlenstoffgehalt von
0,2 - 1,0%
Es können weitere Elemente als Legierungsanteil zugefügt werden. Das
Verhältnis zum Kohlenstoff muss eine Wärmebehandlung, das so genannte
Vergüten, zulassen. Dadurch werden Festigkeitssteigerungen möglich.
Ferritische Edelstähle (sog. Chrom - Stähle)
Sind Stähle mit 12,0 - 18,0% Chromanteil und sehr geringem Kohlenstoffgehalt
kleiner 0,2%.
Diese sind nicht härtbar.
Austenitische Edelstähle (sog. Chrom - Nickel / Chrom - Nickel
- Molybdän Stähle)
Die austenitischen Chrom-Nickel Stähle bieten eine besonders günstige
Kombination von Verarbeitbarkeit, mechanischen Eigenschaften und Korrosionsbeständigkeit.
Sie eignen sich daher für viele Anwendungsmöglichkeiten und sind die
wichtigste Gruppe nichtrostender Stähle. Die wichtigste Eigenschaft dieser
Stahlgruppe ist die hohe Korrosionsbeständigkeit, die mit zunehmendem Legierungsgehalt,
besonders an Chrom und Molybdän, gesteigert wird. Wie bei den ferritischen
Stählen, ist auch bei den austenitischen Stählen zum Erreichen guter
technologischer Eigenschaften ein feinkörniges Gefüge notwendig.
Als abschließende Wärmebehandlung wird ein Lösungsglühen
bei Temperaturen zwischen 1000° C und 1150° C mit anschließender
Abkühlung in Wasser oder Luft durchgeführt, um die Ausbildung von
Ausscheidungen zu vermeiden. Austenitische Stähle sind im Gegensatz zu
martensitischen Stählen nicht härtbar. Das hohe Dehnungsvermögen
der austenitischen Stähle garantiert eine gute Kaltumformbarkeit.
4.1.2 verschiedene Typen von Edelstählen(nach oben)
Typ
Werkstoff-Nr.
Beschreibung
Beständigkeit
gegen
Rost
gegen
Säure
Festigkeit
Schweissbarkeit
A1
1.4300
1.4305
=
klassicher Drehstahl +
einfache Bearbeitung
mittel
gering
gering
Klasse 50
gering
A2
1.4301
1.4303
1.4306
=
klassicher Edelstahl
hoch
gering
mittel
Klasse 70
gut
A3
1.4306
1.4550
1.4590
hoch
mittel
mittel
Klasse 70
gut
A4
1.4401
1.4404
1.4306
=
Edelstahl für Hochsäureumgebungen
hoch
hoch
mittel
Klasse 70
Klasse 80 mögl.
gut
A5
1.4436
1.4571
1.4580
=
Edelstahl mit besonderer Härte, nur gegen Anfrage.
hoch
hoch
hoch
gut
Tabelle 26: Typen von Edelstählen
4.2 Zusammensetzung von Edelstahl(nach oben) 4.2.1 chemische Zusammensetzung von Edelstahl(nach oben)
Stahl-
gruppe
Material
Für Schrauben/Muttern übliche
Werkstoffe
Cr**
Ni**
Mo**
C**max.
Si** max.
Mn** max.
P** max.
S** max.
Sonstige Zusätze
Anmerkungen
Werkstoff-Nr.
(AlSI-Nr.)
Werkstoff-Kurzname
n. EN 10088-3/DIN 17006, 17440
(Details siehe ISO 3506, Tab. 1)
A 1
1.4305 (303)
X8CrNiS 18-9
16-19
5-10
0,7
0,12
1,0
6,5
0,20
0,15-0,35
Cu, - Schwefel darf durch Selen
ersetzt werden
A 2
1.4301 (304) 1.4303 (305)
X5CrNi 18-10
15-20
8-19
*
0,10
1,0
2,0
0,05
* Mo zulässig
A 3
1.4541 (321)
X6CrNiTi 18-10
17-19
9-12
*
0,08
0,045
0,03
* Mo zulässig - muss zur Stabilisierung
Ti oder Nb oder Ta enthalten
A 4
1.4401 (316)
X5CrNiMo 17-12-2
16-18,5
10-15
2,0 3,0
0,08
1,0
2,0
0,045
0,03
Muss zur Stabilisierung
Ti oder Nb oder Ta enthalten
A 5
1.4571
(316 Ti)
X6CrNiMoTi 17-12-2
10,5-14
A -
1.4439
X2CrNiMoN 17-13-5
16,5-18,5
12,5-14,5
4,0-
0,03
1,0
2,0
0,045
0,015
Austenitische / austenitisch-ferritische
Stähle mit besonderer Beständigkeit gegen chloridinduzierte
Spannungsrisskorrosion - z.B. in Hallenschwimmbädern
A
-
1.4539
X1NiCrMoCu 25-20-5
19-21
24-26
5,0
0,02
0,7
0,030
0,010
A -
1.4529
X1NiCrMoCuN 25-20-7
6,0-7,0
0,5
1,0
A/F -
1.4462
X2CrNiMoN 22-5-3
21-23
4,5-6,5
2,5-3,5
0,03
1,0
2,0
0,035
0,015
C -
1.4034 (420)
X46Cr 13
12,5-14,5
0,43-
0,50
1,0
1,0
0,040
0 ,03
Werkstoffe für federnde
Teile - z.B. nach DIN 127, 128, 471, 472, 2093, 6797, 6798, 6799, 7967,
7980
C -
1.4122
X39CrMo 17-1
15,5- 17,5
≤ 1,0
0,80- 1,30
0,33-
0,45
1,0
1,5
0,040
0,03
A -
1.4310 (301)
X10CrNi 18-8
16-18
6-9,5
≤ 0,8
0,05-
0,15
2,0
2,0
0,045
0,015
(Achtung: reduzierte Federkräfte
gegenüber Federstahl)
C -
1.4568 (301)
X7GNiAl 17-7
16-1
6,5-7,8
0,09
0,7
1,0
0,04
0,015
Al 0,70-1,5
(Chemische Zusammensetzung in % nach ISO 3506 / EN 10088-3.)
**Chrom, Nickel, Molybdän, Kohlenstoff, Silizium, Mangan, Phosphor, Schwefel
(Details siehe Kapitel 4.2.2 chemische Elemente von Edelstahl)
Bitte beachten Sie folgende Anmerkungen:
(1) Maximalwerte, soweit nicht andere Angaben gemacht sind.
(2) Schwefel darf durch Selen ersetzt werden.
(3) Falls der Massenanteil an Nickel unter 8% liegt, muss der Massenanteil an
Magan mindestens 5% betragen.
(4) Für den Massenanteil an Kupfer gibt es keine Mindestgrenze, sofern
der Massenanteil an Nickel mehr als 8% beträgt.
(5) Molybdän ist nach Wahl des Herstellers zulässig. Falls dennoch
für bestimmte Anwendungen eine Einschränkung des Molybdängehaltes
notwendig ist, muss dies vom Kunden bei der Bestellung festgelegt werden.
(6) Molybdän ist nach Wahl des Herstellers ebenfalls zulässig.
(7) Falls der Massenanteil an Chrom unter 17% liegt, sollte der Massenanteil
an Nickel mindestens 12% betragen.
(8) Bei austenitischen Stählen mit einem Massenanteil an Kohlenstoff von
max. 0,03% darf Stickstoff bis max. 0,22% enthalten sein.
(9) Muss zur Stabilisierung Titan 5 x C bis max. 0,8% enthalten und entsprechend
nach dieser Tabelle gekennzeichnet sein, oder muss zur Stabilisierung Niob und/oder
Tantal 10 x C bis max. 1% enthalten und entsprechend nach dieser Tabelle gekennzeichnet
sein.
(10) Der Kohlenstoffgehalt darf nach Wahl des Herstellers höher liegen,
soweit dies bei größeren Durchmessern zum Erreichen der festgelegten
mechanischen Eigenschaften erforderlich ist, jedoch bei austenitischen Stählen
nicht über 0,12%.
* Kohlenstoff, Silizium, Mangan, Phosphor, Schwefel, Chrom, Molybdän,
Nickel, Kupfer (Details siehe Kapitel 4.2.2 chemische Elemente von Edelstahl)
4.2.2 chemische Elemente in Edelstählen(nach oben)
Edelstähle können folgende Elemente beinhalten:
Name,
Symbol,
Ordnungszahl
Beschreibung
Aluminium
Al (13)
Aluminium
wirkt stark desoxidierend und denitrierend. Die Bildung von harten Al-Nitriden
reduziert die Alterungsanfälligkeit von Stahl. Bei ferritischen Chromstählen
führt die Beigabe von Aluminium neben verbesserter Zunderbeständigkeit
zu einer verringerten Empfindlichkeit gegenüber interkristalliner
Korrosion.
Chrom Cr
(24)
Chrom
erhöht die Zugfestigkeit durch Bildung von Mischkristallstrukturen
und reduziert die kritische Abkühlgeschwindigkeit. Dadurch steigen
Zunderbeständigkeit und Einhärtetiefe. Bei ferritischen- (Klasse
C) und austenitischen Stählen (Klasse A) ab einem Anteil von von
13% korrosionshemmend. Grund ist die die Bildung einer resistenten Chromoxid-Schicht
auf der Oberfläche.
Cobalt Co
(27)
Cobalt
verbessert die Anlassbeständigkeit und steigert die Warmfestigkeit
von Stählen.
Kohlenstoff
C (6)
Kohlenstoff
erhöht bei Stählen die Härte und Festigkeit. Ein zu hoher
Kohlenstoffanteil bewirkt jedoch eine starte Reduktion der Kaltformbarkeit.
Mangan Mn
(25)
Mangan
erhöht bei Stählen die Zähigkeit und Festigkeit. Durch
die Bindung von Schwefel als Mangansulfid reduziert es bei hoher Konzentration
die Verformungsfähigkeit senkrecht zur Walzrichtung.
Molybdän
Mo (42)
Eine
Molybdänkonzentration von über 0,2 % erhöht
die Durchhärtbarkeit von Stählen. Zudem wird Anlassversprödung
reduziert. Molybdän wirkt bei hohen Temperaturen gefügestabilisierend
und wird daher meist in Stählen für hohe Betriebstemperaturen
verwendet.
Nickel Ni (28)
Nickel
ist Hauptbestandteil und gewichtiger Preisfaktor in der Legierung von
nichtrostenden Stählen der Klasse A (austenitischer Stähle:
A1, A2, A3, A4, A5). Nickel bewirkt sehr hohe Zähigkeit, auch bei
niedrigen Temperaturen. Es ist besonders für die Vergütung großer
Querschnitte geeignet, da hier hohe Festigkeits- und optimale Zähigkeitswerte
erzielt werden. Eine alleinige Anwendung von Nickel ist nicht vorteilhaft,
da es anlassversprödend wirkt. Daher wird Nickel meist zusammen mit
Molybdän verwendet.
Niob Nb (41)
Niob
wird bei austenitischen Stählen (z.B. A3 oder A5) zur Verbesserung
der Stabilität beigefügt.
Phosphor P (15)
Phosphor
bewirkt Kaltsprödigkeit und Empfindlichkeit gegen Schlagbeanspruchung.
Zudem reduziert es die Zähigkeit von Stählen. Ziel ist ein minimaler
Phosphorgehalt.
Schwefel S (16)
Als
Nachbarelement von Phosphor gilt es auch, den Schwefelanteil in Stählen
möglichst gering zu halten. Die Bildung von Mangansulfid erhöht
den Schmelzpunkt des Stahl, was die Rot- und Heißbruchgefahr reduziert.
Bei manchen Automatenstählen wird Schwefel beigesetzt, um kurzbrüchige
Späne zu erreichen.
Silizium Si (14)
Silizium
erhöht die Zunderbeständigkeit und trägt zur Stahlberuhigung
bei, wodurch es die Alterungsbeständigkeit und Zähigkeit von
Stählen erhöht.
Stickstoff N (7)
Die
Beigabe von Stickstoff stabilisiert das Austenitgefüge. Durch Nitridausscheidungen
wird dadurch die Festigkeit erhöht und zudem verbessert man die mechanischen
Eigenschaften bei hoher Temperatur. Jedoch kann die Nitridabgabe zu Alterung
und Reduktion der Zähigkeit führen. Bei unlegierten und geringlegierten
Stählen erhöht sich die Empfindlichkeit gegenüber interkristalliner
Korrosion.
Tantal Ta (73)
Tantal
wird bei austenitischen Stählen (z.B. A3 oder A5) zur Verbesserung
der Stabilität beigefügt.
Titan Ti (22)
Titan wirkt
denitrierend, desoxidierent, schwefelbindend und erzeugt Karbid. Dadurch
hemmt Titan bei nichtrostenden Stählen die interkristalline Korrosion.
Vanadium V (23)
Vanadium
verbessert die Zähigkeit von Stählen. Grund ist die Bildung
von Karbiden, welche bereits bei einem Anteil von 0,1% Vanadium im Werkstoff
die Anlassversprödung reduzieren.
Wasserstoff H (1)
Wasserstoff
gelangt während der Herstellung und Oberflächenbehandlung in
den Stahl und schädigt diesen durch Wasserstoffversprödung.
Temperung bewirkt ein Austreten des Wasserstoffs aus dem Stahl.
Chemische Beständigkeit von Verbindungselementen aus nichtrostenden
Stählen A 2 und A 4
Die Beständigkeitsangaben können sich in der Praxis verändern;
selten wirken die reinen Agenzien, oft verstärken oder schwächen Beimengungen
den Angriff. Auch Rückstände am Teil können die Bedingungen verändern.
Der sicherste Weg ist die Untersuchung unter Betriebsbedingungen.
1 - beständig (Substanzverlust weniger als 0,1 g/m2 x h)
2 - bedingt beständig (Substanzverlust von 0,1 bis 1,0 g/m2 x h)
3 - wenig beständig (Substanzverlust von 1,0 bis 10,0 g/m2 x h)
4 - unbeständig (Substanzverlust über 10,1 g/m2 x h)
Agenzien
Beständigkeitsgrad
Agenzien
Beständigkeitsgrad
A
2
A
4
A
2
A
4
Abwässer
ohne Schwefelsäure
1
1
Latex
1
1
Aceton,
alle Konz.
1
1
Leimöl
1
1
Aethyläther,
kochend
1
1
Aethylacetat
1
1
Magnesiumsulfat
1
1
Aethylalkohol,
alle Konz.
1
1
Maleisäure
1
1
Alaun
(10 %), kalt
1
1
Melasse
1
1
gesättigte
Lösung, kochend
2
1
Methylalkohol
1
1
Aluminiumacetat
1
1
Milchsäure,
kalt
1
1
Aluminiumsulfat
(10 %), kalt
1
1
Milchsäure,
alle Konz., kochend
3
2
gesättigt,
kalt
2
1
Ameisensäure,
kalt
1
1
Natriumaluminat
1
1
Ammoniumkarbonat
1
1
Natriumbisulfat,
kochend
1
1
Ammoniumnitrat
1
1
Natriumbisulfid,
kochend
1
1
Ammoniumsulfat,
kalt
1
1
Natriumkarbonat
(Soda)
1
1
Ammoniumsulfit
1
1
Natriumhydroxyd,
kalt
1
1
Anilin
1
1
Natriumnitrat
1
1
Natriumperchlorat
1
1
Benzin
1
1
Natriumphosphat
1
1
Benzoesäure
1
1
Natriumsulfat
1
1
Benzol
1
1
Natriumsulfid
1
1
Bier
1
1
Natriumsulfit
1
1
Blausäure
1
1
Nickelsulfat
1
1
Borsäure
1
1
Nitrosesäure
2
1
Butylacetat
1
1
Öle
(Schmier- und vegetabilische Öle)
1
1
Calziumbisulfit,
kalt
1
1
Oxalsäure,
5 %, kalt
1
1
kochend
3
1
Calziumhydroxyd
(10-50 %), kalt
1
1
Phenol,
kochend
2
1
Calziumnitrat
1
1
Phosphorsäure
bis 70 %, kalt
1
1
Chlor,
trocken
1
1
Photograph.
Entwickler/Fixierbad
1
1
Chloroform,
wasserfrei
1
1
Pottasche
1
1
Chlorschwefel,
wasserfrei
1
1
Chromsäure
(10 %), kalt
1
1
Quecksilber
1
1
kochend
3
2
Quecksilberamalgam
1
1
Cyankalium
1
1
Quecksilbernitrat
1
1
Eisennitrat
1
1
Salicylsäure
1
1
Eisensulfat
1
1
Salmiakgeist
1
1
Entwickler
(Foto)
1
1
Salpetersäure
bis 60 %, kalt
1
1
Essigsäure,
kalt
1
1
Schwefel
(geschmolzen)
1
1
Schwefeldioxyd
1
1
Fettsäure,
150°C
1
1
Schwefelkohlenstoff
1
1
Flüssige
Gase (Propan, Butan)
1
1
Schwefelwasserstoff
1
1
Formalin
1
1
Schweflige
Säure, gesättigt, 20° C
1
1
Fruchtsäfte
2
1
Seife
1
1
Gerbsäure
1
1
Teer
1
1
Glyzerin
1
1
Tetrachlorkohlenstoff,
wasserfrei
1
1
Trichloraethylen,
wasserfrei
1
1
Kaliumbichromat
(25 %)
1
1
Kaliumbitartrat,
kalt
1
1
Viskose
1
1
Kaliumchlorat
1
1
Kaliumhydroxyd
(Kalilauge)
1
1
Wasserglas
1
1
Kaliumnitrat
1
1
Wasserstoffsuperoxyd
1
1
Kaliumpermanganat
1
1
Wein
1
1
Kalkmilch
1
1
Weinsäure
1
1
Kaliumsulfat
1
1
Kampfer
1
1
Zinksulfat
1
1
Kohlendioxyd
1
1
Zitronensäure,
gesättigt, kalt
1
1
Kreosot
1
1
Zitronensäure,
50 %, kochend
4
1
Kupferacetat
1
1
Zuckerlösung
1
1
Kupferarsenit
1
1
Kupfernitrat
1
1
Kupfersulfat
1
1
Tabelle 31: chem. Beständigkeit von Edelstählen A2, A4
4.4 Mechanische Eigenschaften von Edelstahl(nach oben) 4.4.1 Anziehdrehmomente von Edelstahlschrauben(nach oben)
Anziehmomente für Schrauben und Muttern aus A 2/A 4
Bei Verbindungselementen aus nichtrostenden Stählen sind die Reibungswerte
im Gewinde und an den Auflageflächen wesentlich größer als bei
vergüteten Stahlschrauben - auch der Streubereich der Reibungswerte ist
hier viel größer (bis über 100 %!). Zur endgültigen Bestimmung
des richtigen Drehmomentes ist ein Versuch unter Einsatzbedingungen angeraten.
Durch Verwendung von Spezialschmiermitteln können zwar die Reibungszahlen
µ verringert werden - aber der sehr große Streubereich bleibt erhalten.
Die Tabelle enthält unverbindliche Richtwerte für verschiedene Reibungszahlen,
gültig für Schrauben und Muttern nach DIN 912, 931, 933 und 934 /
ISO 4762, 4014, 4017, 4032 aus nichtrostenden Stählen A2 und A4, in der
Festigkeitsklasse -70 (kaltverfestigt = Kaltpressfertigung) bis zu Nennlängen
8 x d, bei Raumtemperatur (ca. + 20 °C) und einer Dehngrenzen-Ausnutzung
von Rp 0,2 = 90 %.
Die in der folgenden Tabelle genannten Anziehmomente können nur als
sehr grobe und unverbindliche Richtwerte verstanden werden - siehe VDI 2230!
Anziehmomente MA/Nm für A 2, A 4 -70 (-50**)
Reibungs
zahl
µ
-70
= Rp
0,2 min. 450 N/mm2
**-50
= Rp
0,2 min. 210 N/mm2
M
4
M
5
M
6
M
8
M
10
M
12
M
16
M
20
M
24
M
27
M
30
0,10
1,7
3,4
5,9
14,5
30
50
121
244
234
328
445
0,12
2,0
3,8
6,7
16,3
33
56
136
274
264
371
503
0,14
2,2
4,2
7,4
17,8
36
62
150
303
290
410
556
0,16
2,3
4,6
7,9
19,3
39
66
162
328
314
444
602
0,18
2,5
4,9
8,4
20,4
41
70
173
351
336
475
643
0,20
2,6
5,1
8,8
21,5
44
74
183
370
355
502
680
0,30
3,0
6,1
10,4
25,5
51
88
218
439
421
599
809
0,40
3,3
6,6
11,3
27,6
56
96
237
479
458
652
881
Sechskantmuttern mit Klemmteil aus nicht-rostenden Stählen neigen
manchmal wegen des hohen Gewindeflankendruckes beim Einformen des Bolzengewindes
in das Klemmteil zum Festfressen. Hier hilft in der Regel die Behandlung
des Bolzengewindes mit einem reibungsmindernden Mittel. Die veränderten
Reibwerte sind beim Anziehen der Verbindung entsprechend zu berücksichtigen.
Die nachfolgenden Tabellen für die Werkstoffklassen A2 und A4 berücksichtigen
eine Reibungszahl
von µ = 0,12 für handelsübliche Schrauben und Muttern ohne Schmierung.
!!
Zusätzliche
Schmierung der Gewinde verändert die Reibungszahl erheblich
und führt zu nicht bestimmbaren Anziehverhältnissen !.
(vgl. Kapitel 4.4.6 Reibungszahlen bei Schmierung)
!!
- Klasse 50: für A2-50 und A4-50 ohne Längenbegrenzung (in der Regel
gedrehte Teile)
- Klasse 70: für A2-70 und A4-70 (handelsüblich) aber nur für
Längen mit 8 x Gewindedurchmesser
- Klasse 80: für A2-80 und A4-80 (stark kaltverfestigt) aber nur für
Längen mit 8 x Gewindedurchmesser
Gewinde
Festigkeitsklasse
50
„z.B. Drehteile“
Festigkeitsklasse
70
„Standard A2-70, A4-70“
Festigkeitsklasse
80
„z.B. A4-80“
Vorspannkraft
in N
Anziehdreh-moment
in Nm
Vorspannkraft
in N
Anziehdreh-moment
in Nm
Vorspannkraft
in N
Anziehdreh-moment
in Nm
M
5
M
5
1,7
3.000
3,5
4.750
4,7
M
6
M
6
3
6.200
6
6.700
8,0
M
8
M
8
7,1
12.200
16
13.700
22
M
10
M
10
14
16.300
32
22.000
43
M
12
M
12
24
24.200
56
32.000
75
M
16
M
16
59
45.000
135
60.000
180
M
20
M
20
114
71.000
280
95.000
370
M
24
M
24
198
105.000
455
140.000
605
M
30
M
30
393
191.000
1050
255.000
1400
Tabelle 33: Anziehdrehmomente Edelstahl
4.4.2 Festigkeit von Edelstahlschrauben(nach oben)
Mechanische Eigenschaften für Verbindungselemente der Stahlgruppen A
1 - A 5 bei ca. + 20° C.
Festigkeitsklasse
Durchmes-serbereich
Schrauben
Muttern
Zugfestigkeit
Rm N/mm2min
0,2
% Dehngrenze Rp N/mm2min
Bruchdehnung
A
in mm, min
Prüfspannung
Sp / N/mm2 min
m
≥ 0,8 d
0,5
≤ m < 0,8 d
50 weich
(gedreht)
≤ M
39
500
210
0,6
d
500
250
(Fkl. - 025)
70 kaltverfestigt*
(gepresst)
≤ M
24
700
450
0,4
d
700
350
(Fkl. - 035)
80 stark
kaltverfestigt*
≤ M
24
800
600
0,3
d
800
400
(Fkl. - 040)
Untere
Streckgrenze Rel oder 0,2% - Dehngrenze Rp 0,2
bei 100 °C = 85 %
bei 200 °C = 80 %
bei 300 °C = 75 %
bei 400 °C = 70 %
* Diese Werte gelten nur für
Verbindungselemente (Schrauben) mit
Längen bis 8 x Gewinde-Nenndurchm. (8 x d) !
Tabelle 34: Festigkeit von Edelstahl
Für Sechskant-, Innensechskant-, Schlitz- und Kreuzschlitzschrauben ist
die Festigkeitsklasse - 70 der Regelfall und handelsüblich. Verbindungselemente
aus nichtrostenden Stählen sind kaltzäh und gut geeignet für
den Einsatz bei tiefen Temperaturen (A 2 bis -200 °C, A 4 bis -60 °C
nach DIN 267-13).
Austenitische
Werkstoffe sind nicht durch Wärmebehandlung härtbar -
Verbindungselemente aus austenitischen Werkstoffen (A 1 - A
5) haben daher ein anderes Montageverhalten als vergütete
Stahlschrauben. Unsachgemäße Montage kann zum Versagen
(Kaltverschweißung/Fressen/Bruch) führen.
!
Magnetische
Eigenschaften von Edelstahl
Verbindungselemente
aus nichtrostenden Stählen sind im allgemeinen nicht
magnetisierbar - durch die Fertigung kann eine
Magnetisierbarkeit eintreten; wenn besondere Anforderungen an die
Magnetisierbarkeit gestellt werden, muss dies entsprechend
vereinbart werden.
!
Oberflächen von Verbindungselementen aus nichtrostenden Stählen
müssen sauber und metallisch blank sein.
(Passivierung =>ISO 16048)
4.4.3 Strecklastgrenzen von Edelstahlschrauben(nach oben)
Strecklastgrenzen für Schaftschrauben
Edelstähle vom Typ "A" sind nicht härtbar. Jedoch kann durch
Kaltverfestigung eine höhere Streckgrenze bewirkt werden. Angaben gem.
DIN EN ISO 3506
Durchmesser
Strecklastgrenzen
in (Nm)
für Festigkeitsklasse
50
(z.B. A2-50)
70
(z.B. A2-70)
M
5
2.980
6.390
M
6
4.220
9.045
M
8
7.685
16.470
M
10
12.180
26.100
M
12
17.700
37.935
M
16
32.970
70.650
M
20
51.450
110.250
M
24
74.130
88.250
M
27
96.390
114.750
M
30
117.810
140.250
Tabelle 35: Strecklastgrenzen für Edelstahlschrauben
4.4.4 Mindestbruchgrenzen von Edelstahlschrauben(nach oben)
Gewinde
Mindestbruchdrehmoment
(Bmin) in Nm für Festigkeits-Klasse
50
70
80
M
1,6
0,15
0,2
0,24
M 2
0,3
0,4
0,48
M
2,5
0,6
0,9
0,96
M 3
1,1
1,6
1,8
M 4
2,7
3,8
4,3
M 5
5,5
7,8
8,8
M 6
9,3
13
15
M 8
23
32
37
M
10
46
65
74
M
12
80
110
130
M
16
210
290
330
Tabelle 36
4.4.5 Hochtemperatur-Eigenschaften von Edelstahlschrauben(nach oben)
Durchmesser
Warmstreckgrenzen,
gemessen in N
+
20 °C
+
100 °C
+
200 °C
+
300 °C
+
400 °C
M
5
6.390
5.432
5.112
4.793
4.473
M
6
9.045
7.688
7.236
6.784
6.332
M
8
16.740
14.000
13.176
12.353
11.529
M
10
26.100
22.185
20.880
19.575
18.270
M
12
37.935
32.245
30.348
28.451
26.555
M
16
70.650
60.053
56.520
52.988
49.455
M
20
110.250
93.713
88.200
82.688
77.175
M
24
88.250
75.013
70.600
66.188
61.775
M
27
114.750
97.538
91.800
86.063
80.325
M
30
140.250
119.213
112.200
105.188
98.175
Tabelle 37: Hochtemperatur-Eigenschaften von Edelstahlschrauben
4.4.6 Reibungszahlen für Edelstahlschrauben/ -Muttern(nach oben)
Durch Schmierung kann die Reibungszahl, und damit die wichtigste Variable für
das Anzugsdrehmoment sehr stark verändern. Grundsätzlich gilt, dass
die Reibungszahl µ sinkt, wenn ein Schmiermittel verwendet wird. Daher
kann bei Schmierung leichter ein "Abreißen" der Edelstahlschrauben
eintreten, wenn mit gleicher Kraft wie bei einer ungeschmierten Verbindung angezogen
wird.
Es gilt: Schmiermitteleinsatz >> Reibungszahl µ sinkt >>
weniger Anzugsdrehmoment ("weniger Kraft") ist nötig
Klassifizierung von Edelstahl, z.B. A2-70 (Standard-Edelstahl)
A
Kennzeichen Werkstoffgruppe
A = Austenitischer Edelstahl (Chrom-Nickel-Stahl)
2
Kennzeichen Stahlgruppe
1 = Automatenstahl
2 = Kaltstauchstahl legiert mit Chrom und Nickel (klassischer Edelstahl)
3 = Kaltstauchstahl mit Chrom und Nickel legiert und gehärtet mit Titan,
Niob und Tantal
4 = Kaltstauchstahl mit Chrom, Nickel und Molybdän (hochsäurebeständig)
5 = Kaltstauchstahl mit Chrom, Nickel und Molybdän (hochsäurebeständig)
und gehärtet
mit Titan, Niob und Tantal
-70
Festigkeitsangabe: Zugfestigkeit Regelzugfestigkeit für
50 = 1/10 der Zugfestigkeit (mindestens 500 N/mm²) A1
70 = 1/10 der Zugfestigkeit (mindestens 700 N/mm²) A2, A4 (Standard)
80 = 1/10 der Zugfestigkeit (mindestens 800 N/mm²) A4-80, A5
Kennzeichnung von Edelstahlteilen Die Normung geht bei
Produkten aus nichtrostenden Stählen von einer Kennzeichnungspflicht aus,
welche Schrauben ab 5 mm Durchmesser betrifft und Stahlgruppe, Festigkeitsklasse
und Herkunftszeichen enthalten muss.
bei Sechskantschrauben
bei Zylinderschrauben mit
Innensechskant
bei Muttern
Muttern ab Durchmesser 5 mm müssen nach dem Bezeichnungssystem gekennzeichnet
werden. Die Kennzeichnung muss auf mindestens einer Seite oder der Schlüsselfläche
angebracht werden.
Die
Kennzeichnung durch Einkerbung verliert an Bedeutung, da dieses Verfahren
die Ränder der Muttern verletzt. Zwei Kerben stehen für A2,
vier Kerben für A4.
Nicht gekennzeichnete Muttern
oder Schrauben erfüllen meist nur die Festigkeitsklasse 50.
Ist lediglich A2 aufgeprägt, gilt die Festigkeit A2-70, bei A4 die
Festigkeit A4-70.